Leipziger Volkszeitung
24.11.2017 Die Büchse der Pandora
Die Derby-Fratze weiter präsent / Platzsturm von Ultras war geplant / Bei Chemie bezahlen die Fans

Leipzig. Mit Bildern von Bengalos und Böllern, einem riesigen Polizeiaufgebot mit Wasserwerfern haben es der 1. FC Lok Leipzig und die BSG Chemie deutschlandweit in die Schlagzeilen geschafft. Und mit dem 101. Derby unweigerlich einen Reflex bedient, gegen den die beiden Traditionsvereine aus Probstheida und Leutzsch, die nicht gerade auf Rosen gebettet sind, seit Jahren arbeiten. Die Derby-Bilder aus den 90er-Jahren mit Spielfeldstürmungen, Massenschlägereien, Hetzjagden und weiteren Nebengeräuschen sollten eigentlich in der Büchse der Pandora bleiben. Das Thema hat Spuren hinterlassen, bei beiden Vereinen. Der Tag danach.

„Ich bin entsetzt über diese Qualität der Randale. Ich dachte, dass hätten wir hinter uns gebracht“, erklärte Alexander Voigt. Das Mitglied des Präsidiums von Lok Leipzig hat auch keine Worte für die Leute, die die Spielunterbrechungen provoziert hatten. Dabei sei es irrelevant, welche Seite womit angefangen habe. „Es ist krank, mir fehlt die Argumentationskette. Von den Leuten, die das machen, interessiert niemanden die gute Arbeit, die wir im Verein machen“, sagt der 40-Jährige. Heute ist eine Krisensitzung bei den Probstheidaern anberaumt. „Wie sollen wir das in Zukunft in den Griff bekommen. Spielen wir dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit?“, gab sich Voigt, der seit zwei Jahren bei Lok dabei ist, desillusioniert. So wie andere Mitglieder des Präsidiums auch.

Das Derby war als Sicherheitsspiel der Kategorie I spezifiziert. Ein Staatsanwalt war vor Ort, 650 Polizisten, 150 Sicherheitskräfte der Blau-Gelben. Tage zuvor gab es Streifen, einen Stadionwachdienst. So wurden bereits Dinge beräumt, die deponiert wurden.

Nach dem versuchten Platz- und Blocksturm auf der Gegengerade stellte sich heraus, dass die Zäune vorab mit der Flex bearbeitet wurden. „Es gab die gezielte Absicht den Block zu stürmen“, sagte Voigt. Die Polizei verhinderte das, versuchte die maskierten Täter festzumachen. Die sollen zurück in die Fankurve 1966 geflohen sein. Deswegen wurde der Block nach der Partie auch von der Polizei abgeriegelt, um die Identitäten der Leute festzustellen.

Dass Lok am Sonntag (13.30 Uhr) daheim gegen den BAK spielt, spielt derzeit eine untergeordnete Rolle.
Auch bei der BSG Chemie werde man sich mit den Vorfällen vom Derby noch befassen, sagt Pressesprecher Jörg Augsburg. Am Montag tagt der Vorstand. Was den finanziellen Aspekt der möglichen Strafe angeht, kann Chemie allerdings (relativ) entspannt sein. Strafen übernehmen in Leutzsch traditionell die Fans, ganz nach dem Verursacher-Prinzip. Galt auch schon für die 2000-Euro-Strafe vom Match gegen Zwickau. Dass die Fans in Leutzsch diesmal so „günstig“ davonkommen, scheint allerdings mehr als fraglich.

Ganz entspannt gab sich gestern Dietmar Demuth. „Das ist alles abgehakt, bei mir geht so etwas schnell“, antwortete der Chemie-Trainer auf die Frage, ob ihn das Match und vor allem die Bier-Attacke (Demuth wurde bei der Pressekonferenz mit Bier bekippt und beschimpft) noch sehr beschäftigt. „Es gibt nach so einem Match immer nur eine kurze Nachbetrachtung. Entweder du ärgerst dich oder du ärgerst dich nicht. Und dann wird auch schon wieder ans nächste Spiel gedacht. Vor allem an die Frage, was muss besser laufen?“ Geärgert hat er sich über das Ergebnis am Mittwoch nicht. „Der Punkt ist für die Moral wichtig und tut auch unseren Fans gut.“ Was fürs nächste Spiel (Sonntag, 13.30 Uhr, daheim gegen Hertha II) besser werden muss, sei ja auch klar. „Wir müssen das Tor treffen.“

Dann ist da noch die Bier-Geschichte. Und die scheint doch noch nicht ganz abgehakt. „Dass man beim Fußball mit Bier bekippt wird, passiert schon mal. Wenn man durch die Fans geht. Ich kenne das aus St. Pauli, Uli Hoeneß hat da auch mal eine Dusche abgekriegt. Aber in einem VIP-Raum sollte das nicht passieren“, sagt Dietmar Demuth. Und wirkt irgendwie überrascht, dass er in seiner langen Trainerkarriere doch immer noch etwas eues erlebt.
ALEXANDER BLEY UND UWE KÖSTER
Leipziger Volkszeitung
23.11.2017 „Latte“-Show in Probstheida
Chemie-Keeper pariert im Derby gegen Lok Leipzig glänzend und luchst seinem Ex-Club Punkt ab
Leipzig. Die große Frage gestern vor Anpfiff des Leipziger Derbys Nummer 101: Wo bleibt Chemie? In der Tat, während sich die Spieler von Lok Leipzig bereits im Bruno-Plache-Stadion aufwärmten, war nix von den Gästen zu sehen. Erst 13.30 Uhr kamen die Grün-Weißen am Kabinentrakt der Probstheidaer an. Zu Fuß. Dietmar Demuth flog da bereits der Pfropfen vom Kessel. „Ein Unding, Organisation ungenügend“, regte sich der BSG-Trainer auf. Der Chemie-Teambus wurde irrtümlich bei der Anfahrt falsch geleitet, es ging 30 Minuten nicht vorwärts, sodass Demuth und seine Spieler über den Gästeeingang mit den Fans ins Stadion einliefen. Infolge der Verspätung wurde der Anpfiff um zehn Minuten verschoben.

Nicht der einzige Zwischenfall eines wahrlich nicht ereignisarmen Matches. Bengalos, Böller, Spielunterbrechung, massiver Polizeieinsatz, Wasserwerfer im Stadion – das wird kosten. Dabei sprach das Sportgericht des Sächsischen Fußballverbandes gestern erst der BSG eine Geldstrafe für unrühmliches Verhalten der Fans im Sachsenpokal gegen den FSV Zwickau aus. Chemie muss 2000 Euro zahlen, Zwickau sogar 7500 Euro.

Zum Spiel: Lok kam mit Dampf. Gleich in der ersten Minute der Partie versuchte Peter Misch, den Ball in die Maschen zu rammen. Nach Ecke konnte die BSG nicht klären. Julien Latendresse-Levesque rettete seinen Männern den Hintern, parierte glänzend. Latendresse-Levesque? Da war ja was. Vier Jahre stand der 26-Jährige bei Lok zwischen den Pfosten. Dementsprechend „freundlich“ der Empfang im Plache-Stadion.
Grün-Weiß zeigte sich in Minute drei das erste Mal vor dem Lok-Gebälk. Der Freistoß von Alexander Bury aus 30 Metern Entfernung wäre im American Football ein Field Goal gewesen. Mehr gab es nicht. Bekanntermaßen hat Chemie ein Stürmerproblem, spielt sich zwar vor den gegnerischen Kasten, kommt aber nicht zum Abschluss.

Da sah es auf der gegnerischen Seite anfangs anders aus. Nach Sahnepass von Paul Maurer stürmte Djamal Ziane auf „Latte“ zu. Der parierte Ziane Sahne (10.). Infolge verflachte das Spiel. Bis zu einem Raunen der 6381 Fans starken Kulisse in der 25. Minute. Innerhalb weniger Sekunden wurden auf dem Rasen die Stollen ausgefahren, entfacht von Chemie, beendet von Lok. Fünf Mal gab es da auf die Ruten. Markus Krug und Alexander Bury sahen für ihre Einlage Gelb. Dass es im Aufeinandertreffen der Leipziger Regionalligisten nicht zimperlich zugehen würde, war vor der Partie schon klar. Torchancen gab es bis zum Halbzeitpfiff keine mehr.

Nach Wiederanpfiff ging es wieder nicht um Fußball, sondern um Zündelei. In der 48. Minute unterbrach Schiedsrichter Ronny Müller das Spiel. Nach gut zehn Minuten Pause konnte es wieder um den sportlichen Kampf auf dem Feld gehen. „Bei der Brisanz des Derbys mussten wir mit allem rechnen“, sagte Loks Robert Zickert. „Zum Glück eskaliert das nicht komplett. An so etwas hängt die Zukunft des Vereins“, ärgerte sich der Innenverteidiger. Die Chemiker hatten die Unterbrechung besser weggesteckt, eroberten sich auf dem Rasen wieder mehr Anteile. Aber das gleiche Spiel wie in der ersten Hälfte: Wirkliche Gefahr vor dem gegnerischen Kasten strahlten sie nicht aus.

Die Probstheidaer tauchten zwar ebenfalls nicht oft vor des Gegners Kasten auf. Dafür aber brandgefährlich. In der 57. Minute hatte Blau-Gelb die Führung dreifach auf dem Fuß. Erst wurde Ryan Malones Fackel vom 16-er (aus dem Stand!) von „Latte“ an die Latte pariert. Der rettete darauf gegen Marcel Trojandt. An Zianes Nachschuss bekam der Ex-Lok-Keeper auch noch seinen Fuß dran. „Dafür haben wir ihn geholt, wir wollten die Null halten, das hat er geschafft“, lobte Chemies Trainer Dietmar Demuth.
ALEXANDER BLEY
Leipziger Volkszeitung
21.11.2017 Ex-Lok-Hüter steht bei Chemie im Tor
Trotz anderer Absprache hält Julien Latendresse-Levesque

LEIPZIG. Na bitte. Kurz vor knapp fängt die Derby-Suppe doch noch an, heiß zu werden. Dank BSG-Trainer Dietmar Demuth (62), der gestern im Diagnostik-Zentrum Spoorth auf der Eisenbahnstraße die Lok mal kurz vom Gleis stellte. „Ich muss Latendresse bringen. Unser zweiter Hüter Marcus Dölz arbeitet im Süden Deutschlands und kann nur einmal trainieren“, sagte Demuth. Da blieb Heiko Scholz (51) vom 1. FC Lok der Kaffee im Hals stecken. Verdutzt antwortete er: „Das ist schwierig. Abgemacht war, dass er auf jeden Fall nicht hält.“

Et voilà! Julien Latendresse-Levesque sorgt für den nächsten Zwist zwischen den beiden Leipziger Traditionsvereinen Lok und BSG, die morgen im Bruno-Plache-Stadion (14.05 Uhr) zum 101. Mal aufeinandertreffen. „Latte“ war vier Jahre lang Hüter bei den Blau-Gelben, wechselte diesen Sommer trotz bestehenden Vertrages zur Konkurrenz nach Leutzsch. Chemie zahlte 6000 Euro. Bei der Ablöse wurde für das Hin-und Rückspiel der Rivalen dieser Saison vereinbart, dass der 26-Jährige nicht zum Einsatz kommt.
„Irgendwann muss ich anfangen, ihn im Derby zu bringen“, sieht Demuth keine andere Option. „Es war ein Agreement, das ist Wortbruch. Wir haben kein Verständnis dafür“, zeigte sich Lok-Geschäftsführer Martin Mieth verärgert. Einzig bei Krankheit oder Verletzung sollte „Latte“ ran dürfen. Auch beim gemeinsamen Essen der Vereinsvorsitzenden von Lok und Chemie hat das Thema eine Rolle gespielt. Lok-Chef Thomas Löwe hofft noch auf späte Einsicht.

Zum Spiel: Während die Probstheidaer schon beim BFC Dynamo (1:3) zur großen Rotation ansetzten und Körner sparten, ließ die BSG beim Anrennen gegen Neugersdorf (0:1) Körner. „Fürs Derby ist mir nicht bange, da werden noch mal Kräfte freigesetzt“, sagt Demuth. Bei Lok auch, „Latte“ im gegnerischen Tor ist Ansporn genug.
Zum Drumherum: Erwartet werden 7000 Fans. Die Kassen (nur Kombi-Tickets) werden 11.30 Uhr geöffnet, das Stadion 12 Uhr. Während die Anhänger der Blau-Gelben vom Völkerschlachtdenkmal gen „Plache“ ziehen, setzen sich die Leutzscher eben dort in Bewegung und kommen per Pedes von Süden. Die Connewitzer Straße wird für den Verkehr gesperrt. Mit weiteren Einschränkungen im Umfeld ist zu rechnen.
ALEXANDER BLEY
Leipziger Volkszeitung
21.11.2017
Bild Zeitung
21.11.2017 Weil Ex-Lok-Spieler Latendresse hält - Torwart-Zoff vorm Derby!
STEFAN KRAUSE

Am Mittwoch (14.05 Uhr) steigt das Regionalliga-Derby zwischen dem 1. FC Lok und der BSG Chemie. Schon vorm Anpfiff ist richtig Feuer drin!

Chemie-Trainer Dietmar Demuth (62) kündigte bei der gemeinsamen Pressekonferenz im Diagnostik--Zentrum „Spoorth“ an, Ex-Lok-Spieler Julien Latendresse-Levesque (26) ins Tor zu stellen. Lok-Trainer Heiko Scholz (50) klappte die Kinnlade runter…

Torwart-Zoff vorm Derby!

„Das war eigentlich anders besprochen“, sagte der sichtlich verdatterte Scholz. Hintergrund: Beim Wechsel von Latendresse im Sommer, für den Lok 6000 Euro Ablöse kassierte, wurde vereinbart, dass Chemie in den Derbys auf den Kanadier verzichtet.

Per Handschlag. Vertraglich darf so etwas ohnehin nicht fixiert werden. Doch der Handschlag zählt nicht mehr! Latendresse ist Stammspieler.

Und für Demuth unverzichtbar: „Ich muss Julien bringen! Unser zweiter Mann Marcus Dölz arbeitet im Süden Deutschlands, kann nur einmal trainieren. Und wir wollen doch am Mittwoch die besten Spieler sehen. Im ersten Spiel gegen Lok haben wir aufgrund der Emotionen noch auf Julien verzichtet. Und er ist nun mal gewechselt, da muss man ihn auch im Derby bringen dürfen.“

Das Derby-Feuer ist entfacht…
Bild Zeitung
18.11.2017 Sushi vorm Derby - Loks Watahiki und Chemies Yajima im Stäbchen-Duell
ANDRÉ SCHMIDT

Mal ein ganz anderes Doppel-Interview vorm Leipziger Stadt-Derby. BILD traf die Japaner Hiromu Watahiki (30, FC Lok) und Rintaro Yajima (24, BSG Chemie) vorm Knallerspiel Mittwoch (14.05 Uhr) zum Sushi-Essen im Lokal „Sushi Circle“ in der Katharinenstraße.

BILD: Der Klassiker für Japaner. Was schmeckt in Deutschland am besten?

Yajima: „Schnitzel.“

Watahiki (lacht): „Auch Schnitzel.“

BILD: Und was nervt Sie als Japaner in Deutschland am meisten?

Yajima: „Das man hier so schnell Auto fährt. Ich habe allerdings noch keinen Führerschein, fahre mit dem Fahrrad zum Training.“

Watahiki: „In Japan nehmen wir oft den Zug. Der ist immer pünktlich. Hier warte ich manchmal zehn, zwanzig Minuten – und manchmal kommt auch gar nichts.“

BILD: Reden wir über das große Spiel, das Derby.

Watahiki: „Das ist wie Fußball und ein bisschen Krieg. Ich meine wegen der vielen Polizisten jedesmal. Ich habe in Oberhausen auch ein Derby vor 13000 Fans gegen Essen gespielt. Aber so viele Polizisten habe ich da nie gesehen.“

Yajima: „Davon habe ich inzwischen auch schon gehört. Beim Hinspiel gegen Lok war ich ja leider noch nicht dabei.“

BILD: Lok gewann 1:0. Wie auch das Pokalspiel vor einem Jahr. Wer hatte da getroffen?

Yajima: „Ich weiß nicht...“

Watahiki grinst: „Ich. Aber das war ein Torwartfehler.“

BILD: Was erwarten Sie vom Stadt-Derby?

Watahiki: „Natürlich drei Punkte für uns. Es ist ein Heimspiel und wir haben unsere leidenschaftlichen Zuschauer im Rücken.“

Yajima: „Chemie gewinnt und ich mache das entscheidende Tor.“

BILD: Wie sind Sie eigentlich im deutschen Fußball gelandet?

Watahiki: „Ich habe in Japan Sportwissenschaften studiert. Dann wollte ich den Fußball in Europa kennenlernen. Nach zwei Jahren in der Landesliga hat mich mein Berater zum Probetraining zu Mario Basler geschickt. Der war damals Trainer in Oberhausen. So fing alles an.“

Yajima: „Ich habe Politik studiert und wollte in Japan, wo ich bei den Urawa Red Diamonds im Nachwuchs lernte, Profi werden. Bekam aber kein Angebot. Deshalb bin ich nach Europa, nach Österreich, zum SV Horn in die 3. Liga. Das sollte das Sprungbrett sein. Chemie ist der nächste Schritt.“

Vorm Derby muss Chemie noch gegen Neugersdorf und der FC Lok beim BFC ran (beide Sonntag, 13.30 Uhr).
Leipziger Volkszeitung
17.10.2017 Tormaschine trifft Abwehr-Bollwerk ...
... oder der BFC Dynamo empfängt Lok Leipzig

Leipzig. Man kann nicht alles haben. Meistens zumindest. Einzig Energie Cottbus hebelt diesen Erziehungsgrundsatz, der auch in der Regionalliga gilt, aus. Allerdings passt der für die zwei folgenden Kontrahenten wie die Faust aufs Auge. Am Sonntag (13.30 Uhr) werfen die ihre geschichtsträchtigen Jerseys über die Oberkörper. Die einen ihre Weinroten, die anderen ihre Gelben. Der BFC Dynamo empfängt im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark den 1. FC Lokomotive Leipzig. Oder: Der Tabellenzweite bekommt es mit dem Fünften zu tun. Beziehungsweise: Die Tormaschine trifft auf das Abwehr-Bollwerk.

„Nach vorn geht es ganz gut, aber wir haben Defizite nach hinten“, beschreibt es René Rydlewicz (44). 34 Mal haben die Seinen in dieser Saison schon das Netz wackeln lassen. Bei all dem Spektakel vergessen die Berliner aber eins: die Absicherung nach hinten. Das wäre bekanntermaßen etwas für die dampfende Lokomotive. Ball abfangen, zack-zack-bumm über drei Stationen nach vorn und Tor. Wenn das denn immer so einfach wäre ... Auf 17 Tore bringen es die Leipziger bisher.

Was bekanntlich Gründe hat. Mit Maximilian Pommer (20) und Sascha Pfeffer (31) fehlen Lok-Trainerduo Heiko Scholz (51) und Rüdiger Hoppe (48) weiterhin zwei Dampfmacher. „Sie stünden uns gut zu Gesicht“, sagt „Scholle“. Glücklicherweise hat sich das Lazarett aber gelichtet. Nils Gottschick (24) und Maik Salewski (28) schnaufen auf den Schienen, fahren derzeit doppeltes Pensum. „Sie sind knapp vor 100 Prozent“, freute sich Scholz. „Sie kommen zum richtigen Zeitpunkt zurück“, ist er sich sicher. Denn der Coach will mehr als ein Schaulaufen beim BFC. „Wir können sie mit einem Sieg einholen“, lautet seine Kampfansage.

So soll die Lok Fahrt aufnehmen für die englische Woche, die bevorsteht. Denn nach dem Spiel gegen den Traditionsverein steht der nächste Traditionsverein vor der Tür. Nämlich die BSG Chemie. 5500 Plätze werden am kommenden Mittwoch besetzt werden. Luft ist noch. Lediglich die zugelassene Kapazität im BSG-Block von 1200 Tickets ist erreicht. Die Eintrittskarten werden auch weiterhin nur als Kombi-Tickets verkauft.
Alexander Bley
Bild Zeitung
10.11.2017 Lok-Sportdirektor Hoppe - Ohne unsere Fans haben wir gar nichts mehr
ANDRÉ SCHMIDT

Am 24. Mai 2014 entschied sich Sportdirektor und Co-Trainer Rüdiger Hoppe (48), einen Vertrag beim 1. FC Lok zu unterschreiben – obwohl der Klub gerade aus der 4. Liga abgestiegen war.

Oder gerade deshalb. Denn: „Ich habe erlebt, wie die Mannschaft damals nach der Rückkehr vom Spiel in Berlin von über 1000 Fans empfangen und gefeiert wurde. Das war einzigartig. Hier wollte ich arbeiten."

Über drei Jahre später, Lok ist längst wieder ins vordere Drittel der 4. Liga gedampft, hat sich jedoch Ernüchterung breit gemacht.

Die Stimmung auf den Rängen, so heißt es auch bei den Spielern, ist schlecht wie nie. Vorm Spiel zuletzt gegen Halberstadt wurde Paul Schinke (26) zum Beispiel schon bei der Erwärmung vom Dammsitz aus bepöbelt: „Schinke, bewege deinen faulen A..."

Auch Hoppe hörte das, war fassungslos: „Das sind sicher nur vereinzelte Rufe, aber die Mannschaft trägt das mit sich rum. Ich finde das sehr traurig."

Sein leidenschaftlicher

Appell: „Mit unseren Fans im Rücken können wir ein ganz großes Ding machen. Aber dafür brauchen wir alle. Wenn wir unsere Fans nicht mehr haben, dann haben wir gar nichts mehr."
► Der am Wochenende spielfreie 1. FC Lok testet derzeit den vertragslosen Torwart Mateusz Trochanowski (25).
Leipziger Volkszeitung
10.11.2017 1. FC Lok will Fans wieder ins Boot holen
Co-Trainer Hoppe klagt über Pöbeleien gegen Spieler

Leipzig. Zwischen dem 1. FC Lok und einigen Fans hängt derzeit der Haussegen schief. Spieler werden teils schon vor Spielbeginn ausgepfiffen, bei schlechten Aktionen hagelt es Buhrufe. Stellvertretend dafür war die 0:3-Pleite im Sachsenpokal gegen Budissa Bautzen vergangene Woche, als von Unterstützung nach dem frühen Rückstand nichts zu hören war. Auch beim 2:1 gegen Halberstadt sorgten einige Lok-Anhänger für negative Stimmung.

Für Co-Trainer Rüdiger Hoppe ein Grund, die schreibende Zunft zum Gespräch zu bitten. „Das haben die Jungs nicht verdient. Wir stehen im zweiten Regionalligajahr als Tabellenfünfter super da und sind in der Liga seit sieben Partien ungeschlagen“, so Hoppe. „Sportlich haben wir vieles richtig gemacht.“ Besonders Mittelfeldstratege Paul Schinke (13 Spiele/2 Tore/3 Vorlagen) war zuletzt von den Unmutsäußerungen („Du faule Sau!“, „Beweg deinen Arsch!“) betroffen – teils schon beim Aufwärmen. „Es sind nur vier, fünf Leute, die stehen aber ganz vorne am Zaun“, beklagt Hoppe. Auch für die ganz jungen Spieler, die aus Fehlern lernen müssen, keine einfache Situation. Hoppe appelliert daher an die Anhänger, diejenigen zur Rede zu stellen, die frühzeitig durch negative Sprüche auffallen.

Für die schlechte Stimmung gibt es mehrere Erklärungen. Zum einen versprühte die Mannschaft trotz ihrer guten Serie zuletzt nicht den großen spielerischen Glanz, was auch an den verletzten Offensivkräften Sascha Pfeffer oder Maximilian Pommer liegen dürfte. Zudem hatte Angreifer Djamal Ziane mit einer Torflaute zu kämpfen. Beim 2:1 gegen Halberstadt gelang ihm die erste Bude nach neun für ihn torlosen Regionalliga-Partien. „Djamal schleppt sich trotz Blessuren ins Training und zu den Spielen“, sagt Hoppe. Der Treffer am Sonntag habe ihm extrem gut getan.

Zudem sorgte die Entscheidung für Unmut, Karten für das Heimderby gegen Chemie am Buß- und Bettag (22. November) nur als Kombi-Tickets für weitere Partien zu verkaufen. Dies soll unter anderem der finanziellen Konsolidierung vor dem einnahmearmen Winter dienen. Manch Fan fühlt sich abgezockt und fürchtet zu viel Kommerzdenken beim Traditionsverein. „Ohne die Fans würde es den Verein schon lange nicht mehr geben“, sagt Hoppe, „aber jetzt brauchen wir jeden Einzelnen, um weiter nach oben zu kommen.“ Wenn der Klub finanziell besser da steht, würde man den Fans gern etwas zurückgeben. „Wir werden uns da mal zusammensetzen und Gedanken machen“, kündigt der Co-Trainer an.
Sylvio Hoffmann, Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
04.11.2017 Heiko Scholz: „Wir müssen wieder wie Männer auftreten“
Lok spielt nach Pokal-Blamage am Sonntag in der Regionalliga gegen Halberstadt

Leipzig. Wenn am morgigen Sonntag, 13.30 Uhr, im heimischen Bruno-Plache-Stadion die Regionalliga-Partie gegen Germania Halberstadt angepfiffen wird, wollen die Kicker des 1. FC Lok Wiedergutmachung leisten. Selten in den letzten Jahren waren die Voraussetzungen so gut wie diesmal, im Sachsenpokal weit zu kommen und diesen am Ende vielleicht sogar zu gewinnen. Die Drittligisten Chemnitz und Zwickau waren schon ausgeschieden, im Viertelfinale winkte das Derby gegen Chemie.
Alles Schall und Rauch, nachdem die Loksche 0:3 am Mittwoch gegen Budissa Bautzen untergegangen war.

„Ein absolutes Grottenspiel von uns“, so Lok-Trainer Heiko Scholz, „das erste von 15 Pflichtspielen, bei dem wirklich alle schlecht waren. Dummerweise im Pokal – da bist Du dann raus!“ Umso wichtiger ist es dem Coach, dass sein Team nun gegen Halberstadt eine Reaktion zeigt: „Wir dürfen das nicht in die Meisterschaft mitnehmen. Wir haben die Niederlage analysiert und abgehakt, müssen jetzt wieder wie Männer auftreten“, so Scholz. Dabei erwartet er einen spielstarken und variablen Gegner mit zwei unterschiedlichen Gesichtern – die Qualität der Gäste liegt insbesondere in der Offensive, wohingegen im Defensivbereich mitunter Lücken sind.

Den Schlüssel sieht Scholz im Auftreten: „Wir müssen besser nach vorne spielen als zuletzt, uns mehr Chancen aus dem Spiel erarbeiten. Dabei dürfen wir aber das Gleichgewicht nicht verlieren, müssen unnötige Ballverluste und damit Konter vermeiden.“ Scholz’ zweiter wichtiger Punkt: „Ich hoffe darauf, dass unsere tollen Fans uns wieder von der ersten Minute an unterstützen, voll hinter uns stehen – wir brauchen die Zuschauer.“
musch
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